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Glutathion bildet das wichtigste zelluläre Schutzsystem gegenüber
den toxischen Wirkungen von Schwermetallen (z.B. Quecksilber) oder
ihren Verbindungen und ist bei der Aktivierung und Inhibition von
Enzymen und Transportproteinen sowie beim Transport von Aminosäuren
beteiligt. Als
intrazelluläres Antioxidans schützt es die Zellen vor freien
Radikalen, stabilisiert Protein- und Nichtprotein-Sulfhydrylgruppen
und kann mit Hilfe der Glutathionperoxidase (GPX) aus dem Abbau von
Sauerstoffsuperoxid entstandenes H2O2 zu Wasser und Sauerstoff
umsetzen. Dabei wird das reduzierte Glutathion, ein Tripeptid aus
Cystein, Glycin und Glutaminsäure selbst oxidiert.
Glutathion ist auch in der
Lage andere Enzyme oder Antioxidanzien wie z.B. Vitamin C, die nach
oxidativen Prozessen ihre Stoffwechselleistung nicht mehr erfüllen
können, zu reaktivieren.
Im Zuge einer zellulären Entgiftungsreaktion
wird Glutathion durch das Enzym Glutathion-S-Transferase auf
zahlreiche Substanzen wie Xenobiotika, Karzinogene, Antibiotika,
Pestizide, Insektizide und Medikamente übertragen. Durch die
Koppelung werden diese Substanzen wasserlöslich gemacht und können
über die Galle oder Nieren ausgeschieden werden.
Im Vollblut liegt 90% des Gesamtglutathions als
reduziertes Glutathion (GSH) vor, damit wird das lebenswichtige
reduzierende intrazelluläre Milieu aufrecht erhalten.
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Glutathion
reduziert (GSH)
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Reduziertes Glutathion (=
aktives Glutathion) dient der komplexen, konzentrierten Aktion gegen
oxidativen Stress und damit gegen eine Vielzahl von Erkrankungen,
Intoxikationen, Strahlenschäden und im besonderem Masse gegen
Krebserkrankungen. Es fungiert als Co-Enzym für die
Glutathion-S-Transferasen und die selenabhängige
Glutathionperoxidasen (GPX).
Glutathion ist unerlässlich als Konjugans in
der Phase II der Entgiftung und als vorzüglicher Chelatbildner ist
es in der der Lage, Schwermetallkomplexe zu entgiften.
Das Glutathion-System spielt eine
Schlüsselrolle in der Strukturbildung von Proteinen und bei der
Reparatur von DNA-Schäden. Die Aktivierung von Enzymen durch GSH ist
dabei ein wesentlicher Aspekt. Weiterhin wird der Transport von
Aminosäuren und Peptiden durch Zellmembranen ermöglicht.
Auch die Synthese einiger Interleukine und
Prostaglandine sowie die Regulation des Lymphozytenstoffwechsels
sind von Glutathion abhängig. So beeinträchtigt ein Glutathionmangel
die Proliferation von T-Lymphozyten und reduziert die zytotoxische
T-Zell-Aktivität.
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Erniedrigte
Glutathionspiegel
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Erniedrigte Glutathionspiegel
sind Ausdruck einer unzureichenden Glutathionsynthese und können
Hinweise auf die Pathogenese zahlreicher Erkrankungen geben:
Reperfusionsschäden, Leberschäden (Alkohol), Tumoren, Diabetes
mellitus, entzündliche Erkrankungen, Katarakt, chronisches
Lymphödem, Strahlenschäden, Schäden durch Umweltnoxen,
Zigarettenrauch, Arzneimittel-nebenwirkungen und Alterungsprozesse.
Diese Noxen und Umstände führen zu einem
erhöhten Verbrauch von Glutathion, der insbesondere dann zum tragen
kommt, wenn eine unzureichende Versorgung mit den für die
Glutathionsynthese bzw. für den Recyclingprozess benötigen
Mikronährstoffen vorliegt.
Darüber hinaus gilt zu beachten, dass eine
regelrechte Glutathionsynthese eng an eine gesunde Lebensführung
geknüpft ist, wobei im besonderen Masse ausreichende Ruhe- und
Erholungsphasen bedeutsam sind. So konnten Untersuchungen am
Tiermodell zeigen, dass die Glutathionsynthese in Tiefschlafphasen
ihren Höhepunkt hat. Der richtige Umgang mit körperlicher Belastung,
insbesondere sportlicher Tätigkeit sowie einem geordneten Tag-/Nacht
Rhythmus mit ausreichend langen Schlafzeiten und ausreichend tiefen
Schlafphasen ist in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben.
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Glutathion
oxidiert (GSSG)
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Der erhöhte Nachweis von
oxidiertem Glutathion (GSSG) kann als Ausdruck eines vermehrten
oxidativen Stress' oder eines unzureichenden Recyclings von GSSG
interpretiert werden. Oxidiertes Glutathion (GSSG), eine Schwefel-Schwefelverbindung aus
zwei Glutathionmolekülen wird durch das Enzym Glutathion-Reduktase
(ein Vitamin B2-abhängige Enzym) wieder zum aktiven GSH reduziert.
Glutathion schützt
u.a. die Zellmembranproteine sowie das Hämoglobin vor oxidativen
Prozessen, da Glutathion aufgrund seiner Thiolgruppe als
Reduktionsmittel dient. Über die Thiolgruppen können Elektronen auf
freie Radikale (sog. ROS = reaktive Sauerstoffspezies) übertragen
werden und diese so binden und unschädlich machen. Bei diesem
Vorgang "opfern" sich jeweils zwei Glutathionmoleküle, die nun
selbst oxidiert werden. Die beiden oxidierten Glutathionmoleküle
verbinden sich nun miteinander zu Glutathion-Disulfid (GSSG =
unwirksames Glutathion). Diesen Prozess katalysiert das
Selenabhängige Enzym Glutathionperoxidase (GPX). Glutathion-Peroxidase (GPX) ist eines der wichtigsten
Schlüsselenzyme für die Entgiftung von reaktiven Sauerstoffspezies.
Es wird benötigt, um zusammen mit Glutathion H2O2 zu Sauerstoff und
Wasser abzubauen und kann geschädigte Fettsäuren inaktivieren. Da
die Aktivität der GPX durch Vorliegen von Sauerstoffradikalen
angekurbelt wird, weisen erhöhte Werte auf Belastung durch
oxidativen Stress hin. GPX ist als vitales Enzym verantwortlich für
die Aufrechterhaltung der Integrität aller Zellmembranen gegenüber
Schädigungen durch oxidativen Stress. So werden auch Erythrozyten
durch die zelluläre GPX vor oxidativen Sauerstoffspezies geschützt.
Bei GPX-Mangel kommt es zu hämolytischer Anämie. Da die Aktivität
der Glutathion-Peroxidase durch eine unzureichende Selenversorgung
reduziert ist, sollte bei zu niedrigen Werten zusätzlich eine
Selen-Bestimmung durchgeführt werden, um ein mögliche
Unterversorgung mit diesem essentiellen Spurenelement aufdecken zu
können.
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Glutathion
reduziert/oxidiert
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In der Zelle steht GSH
normalerweise in einem steten Gleichgewicht mit aggressiven
„Abfallprodukten" des Zellstoffwechsels wie dem Glutathion-Disulfid
(GSSG). Unter physiologischen Bedingungen entspricht der
intrazelluläre Gehalt an GSSG maximal 10% des reduzierten Glutathion.
Kommt es nun zu oxidativem Stress, kann der GSSG-Spiegel schnell auf
toxische Werte ansteigen. Hier gewährleistet das Glutathion-System
den ständigen Ausscheidungsvorgang von GSSG aus der Zelle.
Der GSH/GSSG-Quotient ist ein Orientierungsmass
für die zelluläre Reaktionsbereitschaft bei Grundlast und sollte
den Wert 0,8 übersteigen. Leistungs- und
Stoffwechselbeanspruchungen verändern den Quotienten.
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Glutathionmangel
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Gluatathionmangel entsteht wenn
l die Aminosäuren Glycin, Glutamat und Cystein
als Vorstufen der Glutathion-Produktion in zu
geringen Mengen vorhanden sind.
l ein Vitamin B12-Mangel vorliegt.
l die Glutathionreserven durch
Entgiftungsreaktionen infolge chronischer
Schwermetallbelastung verbraucht werden.
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Indikationen
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Indikationen für die GSH/GSSG
und GPX – Bestimmung
l
Status von antioxidativen Schutzsystemen
l
Hinweis auf das Ausmass von oxidativem
Stress
l
Belastung durch erhöhten
Sauerstoffumsatz unter Hochleistungsbedingungen
l
Einschätzung des Versorgungszustandes
mit Selen
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Labordiagnostik
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Für die Glutathion-Bestimmung
(GSH/GSSG) nehmen Sie das ACD-B 1.0ml Blut-Röhrchen (BD-Vacutainer-Röhrchen
mit Stopfenfarbe hellgelb) und füllen es mit Nativblut; dann das
Röhrchen mehrmals schwenken und ungeöffnet an das Labor senden. Das
Antikoagulans ACD (Acid Citrat Dextrose / Glukose) mit Lösung B wird
zur Konservierung von Blut verwendet.
Für die Glutathion-Peroxidase-Bestimmung (GPX)
wird EDTA- oder Heparin-Blut (Raum-Temperatur) aus venösem
Nüchternblut verwendet.
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Interpretation der
Messergebnisse
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l
Glutathion gesamt
(GSH + 2GSSG): Referenzwert 783 – 1346 µmol/l
l
Glutathion reduziert (GSH): Referenzwert
639 – 1146 µmol/l
l Glutathion
oxidiert (GSSG): < 72,0 µmol/l
l GSH/GSSG-Quotient
: > 0.8
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