OSTEOPOROSE
Bei
Osteoporose handelt es sich um einen Verlust an Skelettsubstanz, von
Mineralstoffen und organischem Gerüstmaterial, verursacht durch ein
Ungleichgewicht zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau - denn er ist in
dauerndem Umbau begriffen. Selbst ein grösserer Verlust an Knochensubstanz ist
jedoch häufig nicht rasch ersichtlich; erst das Auftreten von Knochenbrüchen ist
meist das Zeichen (nebst selten Knochen- und auch Wirbelsäule-Schmerzen in einem
früheren Zeitpunkt), wonach Osteoporose festgestellt wird: Röntgenbilder geben
oft nicht genügend früh und klar Aufschluss, doch Knochendichtemessungen, wie
sie seit einigen Jahren häufiger durchgeführt werden, sind zuverlässige
Gradmesser von eventueller Osteoporose-Entwicklung. Im Knochenskelett sind als
wichtigste Mineralstoffe Kalzium, Phosphor und die Spurenelemente Silizium
(Kieselsäure als Salz) und Fluor in einem eiweisshaltigen Gerüst in genauem
Verhältnis zueinander eingelagert. Magnesium, Zink und Bor (möglicherweise auch
Mangan) spielen eine wichtige Rolle als Stoffwechselfaktoren.
Im
allgemeinen unterscheidet man folgende Osteoporose-Typen:
Primäre
Osteoporose,
bei Frauen vor allem nach den Wechseljahren und sekundäre.
Der
sekundären Osteoporose liegen andere Krankheiten und äussere Einflüsse
zugrunde wie z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Nebennierenschwäche etwa bei
langdauernder Cortison-Behandlung, schwere Nährstoff-Aufnahmeschwäche im Darm
(z.B. bei Gluten-Intoleranz), Nierenschwäche, längere Bettlägerigkeit,
Zuckerkrankheit.
Ab dem
dreissigsten bis vierzigsten Lebensjahr nimmt die Knochenmasse bei gesunden
Frauen zwischen 0,1 bis 1% pro Jahr ab. Mit Beginn des Hormonwechsels in
den Wechseljahren kann sich dieser Knochenverlust bis auf 10% innert einem Jahr
erhöhen.
Können die Risikofaktoren für
Osteoporose frühzeitig erkannt und richtig eingeschätzt werden? Lässt sich
daraus folgerichtig eine gezielte Vorbeugung und Behandlung ableiten? Da die
Osteoporose eine Reaktion des Körpers auf eine Vielzahl unerwünschter Einflüsse
ist, werden wir hier den ursächlichen Faktoren einzeln nachgehen.
Die Risikofaktoren
Ø
starker Hormonwechsel in den Wechseljahren, im Zusammenspiel mit
einem Erbfaktor
Ø
Körperkonstitution (eher Kleinwuchs, zierliches Skelett)
Ø
hoher Kochsalz-Konsum und geringe Kalzium-Einnahme
Ø
Phosphat- und Eiweissreiche Ernährung (zuviel Fleisch)
Ø
übermässiger Genuss von Alkohol, Kaffee und Tabak
Ø
Schilddrüsenüberfunktion
Ø
schwere Dünndarm- oder Gallefluss-Störungen (ev. von Operationen)
Ø
Vitaminmangel insbesondere Vitamine C, A und D
Ø
und last but not least: Bewegungsmangel
Vorbeugende
Massnahmen:
1.
Rechtzeitige (frühzeitige) Diagnose
Als diagnostische Hilfsmittel
haben sich Mineralbestimmungen (im Blut und Haar) gut bewährt. Damit lassen sich
die Werte der wichtigsten Mineralstoffe, Spurenelemente (die mit gesundem
Knochenbau ursächlich in Zusammenhang stehen) und Schwermetalle (welche die
nützlichen Mineralstoffe im Knochen stören können) bestimmen. Störungen im
Mineralstoffwechsel können dabei oft erkannt werden, bevor es zum krankhaften
Erscheinungsbild kommt. Es ist jedoch bekannt, dass Blutwerte von Kalzium,
Magnesium und z.B. Zink aufgrund tageszeitlicher Schwankungen, Einflüssen der
Ernährung, Stress usw. oft nur bedingt aussagekräftig und schwer zu
vereinheitlichen sind. So können in Fällen von bereits fortgeschrittener
Osteoporose aufgrund innerlicher Regelmechanismen normale Blutkalzium-Werte
ermittelt werden, wogegen die Gewebemineraluntersuchung das Ungleichgewicht
schon früher aufgezeigt hätte. Anderseits kann zuviel freies Kalzium im Blut
oder Haar anzeigen, dass es nicht da ist, wo es sollte, nämlich im Knochen.
2.
Welche Bedeutung hat das Kalzium?
Kalzium
spielt in der allgemeinen Meinung der Fachleute und Laien die wichtigste Rolle
bei der Entstehung, aber auch der Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose
(wenngleich man heute manchmal den Eindruck bekommen könnte, das weibliche
Geschlechtshormon Östrogen habe die wichtigste Rolle - siehe weiter unten).
Die
ausreichende Verarbeitung von Kalzium im Körper hängt von verschiedenen Faktoren
ab:
Ø Aufnahme
von Kalzium durch regelmässige und ausgewogene Ernährung (nicht nur
Milchprodukte, auch z.B. Petersilie, Wasserkresse, Senfkeimlinge oder Sprotten)
Ø Fähigkeit
des Darmes, Kalzium aufzunehmen; dieser Vorgang hängt im wesentlichen von
genügendem Vorkommen von Vitamin D ab, welches entweder in geeigneter Form
zugeführt werden muss (vor allem mit der Nahrung) oder bei genügend
Sonnenbestrahlung der Haut im Körper selbst aus Vorstufen davon entstehen kann
(diese Umwandlung von inaktivem Vitamin D in die aktive Vitamin D3-Form
geschieht mit Hilfe von Magnesium).
Ø die
Kalziumzufuhr muss bereits im Kindesalter beginnen, bzw. bereits im Mutterleib
(da wird es praktisch immer so sein, dass bei Mangel die Mutter an Kalzium
verarmt, nicht die Frucht). Die heute unter Fachleuten vorherrschende Meinung
ist, dass die notwendige tägliche Menge Kalzium von etwa 800 mg - 1 g durch die
Nahrung aufgenommen wird. Neuere Untersuchungen hingegen zeigen, dass
verschiedene Altersgruppen täglich im Durchschnitt nur ca. 500 mg Kalzium
aufnehmen, z.B. Frauen in den Vierzigern; doch in der Schwangerschaft und beim
Stillen erhöht sich der Bedarf sogar auf rund 1.5 g pro Tag.
3.
Ernährung + Übersäuerung
Die
Ernährung spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Verhinderung der Osteoporose.
Sehr lang ist die Liste der natürlichen Nahrungsmittel, die uns vor
Knochenbeschwerden schützen können: Grüngemüse (grüne Bohnen, Broccoli,
Blattsalate, Kohl, Spinat, Spargeln), Karotten und Tomaten und anderseits
Früchte, am besten frische (Äpfel, Birnen, Aprikosen, Bananen usf.). Durch diese
Naturprodukte wird hauptsächlich die Übersäuerung des Körpers verhindert,
welche, sofern sie länger besteht, die Mineralstoffe daran hindert, da zu
bleiben wo sie hingehören (wie das Kalzium in die Knochen). Von Äpfeln hat man
schon immer gewusst, dass sie gesund sind. Nach den neuesten Erkenntnissen
senken sie nicht nur den Cholesterin-Wert im Blut und stärken das Immunsystem,
sondern schützen auch sehr wirkungsvoll vor Osteoporose, denn der Apfel ist
einer der wichtigsten natürlichen Bor (ein Spurenelement)-Lieferanten. Das Bor
verhindert den Kalziumabbau, indem es durch seine Wirkung auf die
Nebenschilddrüsenkörperchen hilft, Kalzium in den Knochen festzuhalten. Milch
und Milchprodukte: Quark, Joghurt und Käse sind kräftige Kalziumlieferanten und
die besonders Bifidusbakterien-reichen Milchprodukte haben auch eine positive
Wirkung auf die Darmflora, die für die Synthese des Vitamin K mitverantwortlich
ist. Vitamin K aktiviert das Calzitonin, ein Nebenschilddrüsenhormon, welches
das Kalzium in Knochen festhalten hilft. Frauen während und nach den
Wechseljahren sollten idealer Weise ca. 200g z.B. gutes Joghurt (oder ein
fettarmes Milchprodukt, wie Buttermilch) täglich konsumieren, aber nicht
zuckerhaltiges!
Fisch gehört
ebenso zu jenen Nahrungsmitteln, die Osteoporose erfolgreich verhindern helfen,
da er grössere Mengen an Kalzium, Vitamin D, günstigen Fettsäuren und Selen
enthält. 100 g Sardinen enthalten z.B. 400 mg Kalzium und im Fischleberöl sind
pro Gramm einige zehn bis unter Umständen tausend Einheiten Vitamin D3.
Weil die
Wichtigkeit von Kalzium-Zufuhr in der Vergangenheit so sehr betont wurde, ging
oft vergessen, dass keine regelrechte Knochenmineralisierung stattfindet ohne
auch genügend Magnesium (Phosphormangel ist in unseren Breitengraden
unwahrscheinlich). Magnesiumreiche Nahrung ist vor allem Pflanzennahrung.
Welche Nahrung sollte gemieden
werden?
Ø zuviel
Fleisch und Fleischprodukte (Wurstwaren) aus verschiedenen Gründen
Ø Überschuss
an Phosphaten verstärkt die Demineralisation der Knochen
Ø Fleischkonsum
erhöht die Blutübersäuerung und hält dadurch mehr Kalzium in Lösung
Ø Tierfutter
enthält oft Hormone und Antibiotika, die zum Teil im Fleisch zurückbleiben und
im Menschen das Gleichgewicht der Bakterien im Darmtrakt empfindlich stören,
also zu Symbiosestörungen führen
4. Die
Wirkungen von Vitamin C, A und bestimmten Aminosäuren
Knochenaufbau und -umbau geschieht immer über eine Zwischenstufe von
Bindegewebe-substanz (also weichem Gerüstmaterial), die nur bei Vorhandensein
von genügend Vitamin C und gewissen Aminosäuren regelrecht entsteht. Bei Mangel
von Vitamin A ist der Knochenaufbau und -umbau ebenfalls behindert.
5.
Symbiosestörungen
Als Symbiosestörungen oder
Dysbiose bezeichnet man Missverhältnisse von günstigen und weniger günstigen
oder schädlichen Darmbakterien untereinander (der Begriff Symbiose heisst:
günstiges Zusammenleben, der Begriff Dysbiose: Störung im Zusammenleben,
gemeint ist: des Menschen mit seinen Milliarden Bakterien im Darm).
Symbiosestörungen verhindern die Vitamin K-Produktion in der
Darmbakterienflora. Vitamin K aktiviert das wichtige Knochenhormon Calzitonin
aus der Nebenschilddrüse.
Welches sind Ursachen von
Symbiosestörungen?
Ø
Übermässige und langdauernde Anwendung von Antibiotika und
Chemotherapeutika
Ø
Mastfleischproduktion
mit Antibiotika-Zusätzen im Futter
Ø
zu Zuckerhaltige, Weissmehlprodukte-reiche Nahrung
Ø
konservierte,
gebleichte, gefärbte und künstlich aromatisierte Nahrungsmittel
Ø
Trinkwasserchlorierung (das moderne aufbereitete Wasser ist zwar bakteriologisch
und chemisch unbedenklich, aber nicht genügend
vitalisierend)
Ø
Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln (Insektiziden,
Pestiziden, Fungiziden)
Ø
Zahnpasten mit antimikrobiellen Zusätzen
Ø
zuviel Waschmaschinenpulver-Verbrauch (?)
6. Gymnastik und Sport (auch
Yoga)
Bewegungsmangel ist wohl der
wichtigste Faktor bei Osteoporose-Entstehung. Durch den Muskelzug auf die
Knochen (vermittelt durch die Sehnen und Bänder) kommt erst der genügende Reiz
zustande, welcher die vielfältigen günstigen körperlichen Antworten hervorruft,
die Knochengesundheit garantieren. Forschungsergebnisse aus den letzten Jahren
belegen, dass z.B. Schwimmen sehr gute Resultate in der Vorbeugung von
Osteoporose erbringt.
Wenn diese
Weisheiten nicht schon von alters her bekannt wären, so müsste sie die moderne
Medizin jetzt wieder Stückchen für Stückchen ,,erfinden“ ...
Unsere Meinung zu den Hormonpillen als Osteoporose-Medikament:
Östrogen-Wirkungen als
Jungbrunnen?
In den Wechseljahren werden die
Eierstöcke der Frau schwächer und produzieren nicht mehr so viele Hormone wie
vorher, als der Gebärmutterschleimhaut-Aufbau noch jeden Monat die Regel war. In
der Natur der Frau ist vorgesehen, dass sie ab einem gewissen Alter nicht mehr
empfänglich sein soll - und das ist sicher gut so - nicht vorgesehen ist, dass
die Frau ab diesem Alter auch andere, wenig sympathische, vorzeitige
Alterungszeichen haben muss: faltige Haut, gekrümmter Rücken, trockene
Schleimhaut der Scheide, allgemeiner Vitalitätsverlust oder gar depressive
Verstimmung. Diejenigen Gewebe, welche während des ganzen fruchtbaren
Lebensabschnitts empfänglich für die Wirkung des einen hauptsächlichen
weiblichen Geschlechtshormons Östrogen waren, leiden jetzt unter
Entzugserscheinungen. War eine Frau früher 1. besonders Östrogen-empfindlich, so
kann es sein, dass sie den teilweisen Ausfall des Hormons besonders stark zu
spüren bekommt, abhängig davon nämlich wie viel 2. an spontaner Aktivität der
Eierstöcke noch verbleibt jenseits der Wechseljahre (Eierstöcke stellen ihre
Tätigkeit nie ganz ein). Man kann sich vorstellen, dass bei diesem Entzug der
Ruf der Zielorgane (Gebärmutter, Brust, Schleimhäute) abhängig vom Grad der
Gewöhnung an grössere oder kleinere Hormonmengen lauter oder leiser ausfällt -
vielleicht auch von der Art des Entzugs (wie plötzlich also der Abfall der
Bluthormonwerte eintritt).
Man kann
eine ganze Reihe von relativ nützlichen Wirkungen einer regelmässigen Östrogen
Einnahme beschreiben, allerdings für Frauen im gebärfähigen Alter, sodass sich
daraus nicht die Notwendigkeit ergibt, Frauen in fortgeschrittenem Alter die
gleichen Hormone zur Einnahme empfehlen zu wollen (zu den fakultativ günstigen
Wirkungen zählen: Regelmässigkeit der Monatsblutungen, weniger störende
gutartige Brusterkrankungen wie Brustschmerz, Zysten, weniger häufig Scheiden-
oder Gebärmutter- oder Eileiter-Entzündungen, weniger häufig spätere
Gebärmutter- und Eierstock-Krebse) - besser ist wohl, die Eierstöcke auf
natürliche Weise zu stärken, bzw. zu verhindern, dass sie geschwächt werden -
auch schon in jüngeren Jahren!
Schluss
Aus diesen
Überlegungen ergibt sich für uns ganz klar, dass es unsinnig ist, jede Frau zur
Verhinderung oder Verzögerung von Osteoporose mit Östrogen-Gaben beglücken zu
wollen, wir schliessen aber nicht für jeden einzelnen Fall aus, dass dies eine
sinnvolle Massnahme sein kann.
Viel wichtiger als Hormongabe in
und nach den Wechseljahren ist die biologisch richtige Behandlung von
Störungserscheinungen der Geschlechtsorgane (wie die weiter oben erwähnten) in
den fruchtbaren Jahren und: die biologische bzw. orthomolekulare Vorbeugung der
Osteoporose in jedem Alter von Jugend an (wie weiter oben ausführlich
beschrieben).
Institut
für angewandte Biologie, Dr. med.
R
Lietha / Dr. med. Aleksandra Pavlovic,
CH - 8640 Rapperswil
Osteoporose
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