P M S - Prämenstruelle Spannungen
Der
Monatszyklus der Frau erfolgt in zwei Phasen, wobei jede annähernd zwei Wochen
dauert. Die erste Phase, die mit der menstrualen Blutung beginnt und mit dem
Heranreifen der Eizelle (Ovulation) endet, wird vom Hormon Östrogen beherrscht.
Die zweite Phase, die bis zum Beginn des Folgezyklus dauert, wird vom Hormon
Progesteron dominiert. Schon im Altertum war man sich bewusst, dass die
periodischen Veränderungen des Monatszyklus psychophysische
Beeinträchtigungen hervorrufen. Bei einem Grossteil der Frauen zeigen sich vor
der Periode diskrete oder abnormale hormonelle Veränderungen, die unangenehme
und zum Teil krankheitsartige Symptome wie Kopfschmerzen, Ödeme, Brustspannen,
Depressionen und Angstzustände hervorrufen. Diese Veränderungen sind heute unter
der Bezeichnung "prämenstruelles Syndrom" (PMS) bekannt.
Die
Frauen werden immer mehr zu Opfern vielschichtiger ökologischer Umwelteinflüsse.
Vor allem die veränderten Lebensbedingungen, die künstliche Ernährung und der
häufige Gebrauch von Hormonen und Antibiotika führt zu Veränderungen des
hormonalbiochemischen Gleichgewichts im eigenen Körper. Kenntnisse über die
fehlende oder ungenügende Wirkung des Progesterons an den Zielorganen
(Gebärmutter, Brust) würden eine brauchbare Grundlage für die Vorstellung über
das PMS abgeben.
Was
verursacht eine Verminderung der Progesteronkonzentration im Blut?
Die
Initiative zur Produktion des Progesterons in den Eierstöcken erfolgt vom
Prostaglandin El (PGE 1) aus - einer Substanz im Blut - durch Impulse an die
Adresse der Eierstockrezeptoren. Somit ist zur Produktion des Progesterons immer
eine bestimmte Menge PGE 1 im Blut notwendig, die wiederum von der Menge
hochungesättigter Fettsäuren im Blut abhängt. Diese Säuren werden durch Nahrung
aufgenommen. Die PGE1 Biosynthese kann in verschiedenen Phasen beeinflusst
werden. Namentlich ist die Umwandlung von Linolsäure zur Gammalinolensäure sehr
störungsanfällig. Eine durch einseitige, lediglich auf Fette und Kohlenhydrate
ausgerichtete Ernährung, sowie der Mangel an Magnesium, Zink, Vitamin B6 und
Mangan im Blut, vermindert die Bildung der Gammalinolensäure. Neben der
Muttermilch enthalten insbesondere die Pflanzenöle Nachtkerzenöl und Borretschöl
reichhaltige Mengen an natürlicher Gammalinolensäure.
Beim
Fehlen oder bei verminderter Progesteronwirkung kommt es zu typischen Symptomen
im körperlichen und psychischen Bereich im Sinne von hormonell-biochemischen
Störungen. Die Symptome sind sehr vielseitig:
1.
Brustbeschwerden kommen bei 70% aller Frauen mit PMS vor. Merkmale sind
schmerzhafte Brust- schwellungen mit Spannungsgefühlen,
Berührungsempfindlichkeit (Mastalgie) und in erster Linie starke Empfindsamkeit
der Brustwarzen (Mastodynie). Bei den Betroffenen erhöht sich die Konzentration
des Aldosteron Hormons im Blut. Unter dem Einfluss des Östrogen und der erhöhten
Konzentration des Aldosteron kommt es zu einer verstärkten typischen Wasser-Salz
Rückstauung, die entsprechend dem neusten Stand der Forschung einen Teil der
Beschwerden hervorruft. Frauen die an schmerzhaften Brüsten leiden, weisen
oftmals auch eine erhöhte Talgproduktion der Haut auf, die von essentiellen
Fettsäuren gesteuert wird.
2.
Ödeme (Gewebewassereinlagerungen) treten bei rund 45% der Frauen auf.
Hauptsächlich betroffen sind die Hände, die Füsse und das Gesicht. Die Ödeme
verursachen bei den meisten Frauen eine mittlere Gewichtszunahme von 0.6 - 4.0
Kilogramm, die einen erhöhten Appetit anregt.
3.
Bauchbeschwerden und -schmerzen kommen bei rund der Hälfte der Frauen mit PMS
vor. Merkmale sind Blähungen und Verstopfungen die durch venöslymphatische
Stauungen im kleinen Becken entstehen.
4.
30% der Frauen mit PMS leiden an Kopfschmerzen. Bei knapp der Hälfte der Fälle
treten sie in Form von Migränen auf.
5.
Psychische Störungen sind fast bei allen Betroffenen zu beobachten. Die Störung
des seelischen Gleichgewichts äussert sich in Form von Nervosität, Reizbarkeit,
Aggressivität, Ruhelosigkeit, Gefühlslabilität und Depression.
6.
Weitere gewichtige Symptome sind Herzrhythmusstörungen, Schwindelgefühle,
Übelkeit, Schmerzen im Kreuz, Genitalherpes und immer wiederkehrende
Hautveränderungen.
Die
Klassifizierung des PMS
Die
Klassifizierung erfolgt nach dem jeweils dominanten Symptom:
PMS-A: Kennzeichen sind Angst, Nervosität, Reizbarkeit, im Blut erhöhter
Östrogen- und verminderter Progesteronspiegel. Durch eine angemessene Vitamin
B6-Einnahme wird die Linolsäure in Gamma-linolensäure umgewandelt.
PMS-B: (Untergruppe H). Durch Wassereinlagerung kommt es zu
Schwellungen des Gesichts, an den Händen und den Unterschenkeln und zu Schmerzen
und Verspannungen in den Brüsten. Eine verstärkte Vitamin B6 Einnahme
erhöht die Harnausscheidung und vermindert dadurch, zusammen mit Vitamin E, die
Spannungen in den Brüsten und die verschiedenen Beschwerden.
PMS-C: Charakteristisch ist das vormenstruelle Verlangen nach Süssigkeiten,
stark erhöhter Appetit, Kopfschmerzen, Zittern, Reizbarkeit und
Teilnahmslosigkeit. Bei den Betroffenen sind der Zuckerspiegel, der Magnesium-
und der PGE l-Wert im Blut vermindert. Mittels genügender Chromeinnahme lässt
sich der Zuckerspiegel wirkungsvoll regulieren. Der PGE l-Wert kann durch eine
Therapie mit Nachtkerzenöl normalisiert werden. Eine Magnesium-Einnahme ist
ebenfalls angezeigt.
PMS-D: Merkmale sind psychische Störungen wie Schlaflosigkeit, Verwirrtheit,
Depression, in manchen Fällen bis hin zu Selbstmordgedanken. Die Östrogen- und
Progesteronwerte im Blut sind vermindert. Die relativ erhöhten Werte des
männlichen Androgen-Hormons führen unter Umständen zu verstärktem Haarwuchs (Hirsutismus).
Dabei kommt es auch oft zu erhöhter Belastung der Gewebe mit unerwünschten
Schwermetallen, wie z.B. Blei, Nickel und Kadmium.
Eine
spezielle Gruppe bilden Frauen, welche die Pille als Verhütungsmittel benützen.
Erhöhte Kupferwerte sind die Folge des Gebrauchs, die bis auf das Dreifache der
üblichen Werte steigen können. Besonders Frauen mit schon bestehenden
psychischen Störungen reagieren empfindlich auf die erhöhten Kupferwerte in Form
von Psychosen und Depressionen. Durch Mangel an Spurenelementen wie Magnesium,
Zink, Mangan und der Vitamine B3, B6 und C kann sich
Kupfer im Körper ungestört ansammeln.
Welche
Massnahmen tragen zur Beseitigung der Beschwerden bei?
Eine
gesunde und natürliche Ernährung bildet die Grundlage jeder PMS Regulation; mehr
komplexe Kohlenhydrate, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Grüngemüse und soweit wie
möglich reduzierte Eiweissmengen, z.B. l Gramm pro l Kilogramm Körpergewicht.
Vor allem Frauen mit schmerzhafter Knötchenbrust sollten auf sogenannte leere
Kalorien wie Zucker, Schokolade, Soft Drinks und Alkohol aber auch auf
Schwarztee und Kaffee verzichten. Neben den oben erwähnten Mineralien und
Vitamin B6 muss auch Vitamin E hervorgehoben werden, das sehr wichtig ist für
den Abbau des Östrogens und Progesterons im Körper. Durch die industrielle
Nahrungsmittelproduktion ist das Vitamin E weitgehend aus der Ernährung verbannt
worden. Während der 12 Tage vor dem Einsetzen der Periode lässt sich besonders
durch Vitamin E und Selen, die in Nahrungsmitteln wie Vollgetreide, Weizenkeim,
Sesam, Milch, Gemüse und Ölsardinen vorkommen, die Hormonproduktion verbessern
und das Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron halten. Es ist
erwiesen, dass der Vitamin-und Mineralmangel in der modernen Ernährung eine
ganze Reihe ungewollte schädliche Wirkungen wie z.B. das PMS, verursacht.
Genügend Bewegung und Sport ist einerseits unerlässlich für die psychische
Stabilität und andererseits für einen ausgeglichenen Sauerstoffaustausch im
Gewebe, wodurch eine verbesserte Stoffwechsellage in den Zellen erreicht wird.
Schon Hippokrates hat sich mit diesen Problemen befasst und empfahl unter
anderem Bauchmassagen bei venös-lymphatischen Stauungen im unteren Becken.
Es
liegt im Ermessen jedes einzelnen und der Natur, das PMS-Problem selber zu
lösen. Es besteht keine Universallösung zur Beseitigung der Beschwerden, sondern
eine Kombination von verschiedenen Massnahmen wird zu deren Verminderung oder
gänzlichen Behebung führen. Eine ausgeglichene Stoffwechsellage erfordert neben
einer gesunden Ernährung, vermindertem Antibiotikgebrauch und Sportaktivitäten
auch eine Untersuchung der verschiedenen Spurenelemente (im Blut und Haar). Auf
diese Weise lassen sich die fehlenden Stoffe eruieren und Therapien zu deren
Normalisierung festlegen. Dank dem Stand der modernen Medizin sind diese
Untersuchungen heute sehr erfolgreich. Deshalb sollte das PMS nicht als
schicksalhaftes Übel angesehen werden, mit dem man sich abfinden muss, sondern
als eine heilbare hormonal-biochemische Störung, die sich durch eine geeignete
Therapie und die oben erwähnten Massnahmen beseitigen lässt und die psychische
Stabilität, die innere Sicherheit und Ruhe wieder herstellt.
Institut für angewandte Biologie, Dr. med. Aleksandra Pavlovic,
CH 8640 Rapperswil